Warum ich meine Drohne am Kaiserstuhl im Frühling stehen lasse – und warum das gut ist
Ich gebe es zu: Als ich meine erste Drohne ausgepackt habe, war ich Feuer und Flamme, die Landschaften rund um den Kaiserstuhl aus der Luft zu erkunden. Diese sanften Hügel, die Reben, das Licht – das schreit doch geradezu nach spektakulären Aufnahmen. Aber dann habe ich schnell gelernt, dass dieser Wunsch nach dem perfekten Shot in eine ganz bestimmte Zeit einfach nicht geht, wenn man mit offenen Augen durch die Gegend läuft. Denn so idyllisch der Kaiserstuhl für uns Menschen ist, für Vögel ist er lebenswichtig – und zwar besonders dann, wenn wir Drohnenpiloten eigentlich am liebsten abheben würden.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich wirklich verstanden habe, warum es diese saisonalen Einschränkungen gibt. Klar, ich wusste, dass es so etwas wie eine Brutzeit gibt. Aber mir war nicht bewusst, wie empfindlich die Tiere tatsächlich reagieren, bis mir ein älterer Naturfreund mal erklärt hat, dass eine Drohne für viele Vögel nicht einfach nur ein surrendes Gerät ist, sondern wie ein großer, bedrohlicher Greifvogel wirken kann. Und das ist ja nicht nur ein kurzer Schreckmoment. Wenn ein Vogel in der Brutzeit das Nest verlässt, weil er sich bedroht fühlt, können die Jungen ungeschützt zurückbleiben, auskühlen oder sogar verhungern. Manche Arten sind so gestresst, dass sie ihre Jungen ganz aufgeben – und das will ich dann doch nicht auf dem Gewissen haben, nur weil ich ein cooles Video für Instagram haben wollte. Diese Verantwortung hat mich wirklich nachdenklich gemacht.
Das Problem zieht sich ja auch durch die gesamte Aufzuchtzeit, nicht nur die reine Brutphase. Wenn die Jungvögel dann langsam flügge werden und ihre ersten Flugversuche starten, sind sie noch unsicher, orientierungslos und extrem anfällig für Störungen. Eine Drohne, die da plötzlich durch ihr Revier summt, kann ganze Schwärme aufschrecken und in Panik versetzen. Das ist nicht nur stressig, sondern kostet die Tiere wertvolle Energie, die sie eigentlich zum Wachsen und Überleben brauchen. Wenn ich das so bedenke, fällt es mir mittlerweile gar nicht mehr schwer, die Drohne im Frühling und Sommer einfach mal im Koffer zu lassen.
Aber das Schöne ist ja: Die Ruhephasen gelten nicht für immer. Sobald der Sommer vorbei ist und die Vögel ihre Jungen großgezogen haben, kehrt so eine Art Normalbetrieb in der Natur ein. Die Nester sind verlassen, der Nachwuchs ist selbstständig, und die Tiere sind nicht mehr in dieser angespannten, territorialen Phase. Genau dann, wenn die Reben sich langsam färben und der Kaiserstuhl in goldenes Herbstlicht getaucht wird, ist auch für mich wieder die Zeit gekommen, die Drohne auszupacken. Ab Herbst bis in den Winter hinein sind Flüge völlig unproblematisch – und ehrlich gesagt finde ich die Aufnahmen zu dieser Jahreszeit sogar noch schöner. Das Licht ist weicher, die Landschaft hat mehr Kontraste, und ich kann in Ruhe filmen, ohne das schlechte Gewissen im Hinterkopf zu haben.
Was mir bei der ganzen Sache klar geworden ist: Es geht nicht darum, Drohnenflüge pauschal zu verteufeln. Ich liebe es ja selbst, diese Perspektive von oben einzufangen. Aber der Kaiserstuhl ist nun mal einer der wichtigsten Vogel-Hotspots in Baden-Württemberg, und dieser Schatz geht vor. Wenn ich die Regeln einhalte und einfach ein paar Monate Geduld habe, profitiere ich am Ende doppelt: Ich bekomme tolle Aufnahmen, und ich weiß gleichzeitig, dass ich nichts kaputt gemacht habe. Das ist für mich die beste Balance. Und wenn ich im Herbst dann die Drohne starte, genieße ich diesen Moment mittlerweile noch viel mehr – weil ich weiß, dass jetzt wirklich alles passt. Die Vögel haben ihre Ruhe gehabt, die Natur ist entspannt, und ich kann mit gutem Gewissen abheben.
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